Einführung in die Kriminologie (E-Book)

Einführung in die Kriminologie (E-Book)

Artikelnummer: 100965
Autor(en): Horst Clages
Auflage: 1
Format: E-Pub, Mobi
Preis: € 3,99

Erscheinungstermin: April 2015

Die Kriminologie ist für die polizeiliche Kriminalitätskontrolle (Strafverfolgung und Kriminalpräventi­on) von besonderer Bedeutung. Ohne vertiefende Kenntnisse über die Verbrechenswirklichkeit und ihre Hintergründe kann Kriminalitätskontrolle nicht erfolgreich sein.

Diese Abhandlung ordnet die Kriminologie in das System der Kriminalwissenschaften ein und beschreibt ihre wesentlichen fachwissenschaftlichen Grundlagen. Sie befasst sich mit den Ursachen (Kriminalätiologie) und Erscheinungsformen (Kriminalphänomenologie) des Verbrechens einschließlich ihrer Relevanz für das Bachelorstudium der Polizei und für die polizeiliche Praxis. Abschließend gibt sie einen inhaltlichen Überblick über bestimmte ausgewählte Teildisziplinen der Kriminologie.

(Hinweis: Erstveröffentlichung als Aufsatzserie in der Fachzeitschrift Polizei – Studium – Praxis.)

Inhaltsverzeichnis

Teil 1

1 Begriff und Gegenstand der Kriminologie

Teil 2

1 Aufgabenschwerpunkte der Kriminologie

Teil 3

1 Kriminalgeografie

2 Kriminalstatistik

3 Viktimologie

Textauszug

1 Begriff und Gegenstand der Kriminologie

1.1 Terminologie der Kriminologie

Der Begriff „Kriminologie“ setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort „crimen“ = Verbrechen und dem griechischen Wort „logos“ = Lehre.

CRIMEN + LOGOS = LEHRE VOM VERBRECHEN

Kurzformel: Unter dem Begriff Kriminologie wird folglich die Lehre vom Verbrechen verstanden. Verbrechen umfasst so­wohl die Einzeltat, d.h. den einzelnen strafrechtlich relevanten Rechtsverstoß einschließlich der Person des Täters als auch die Summe der Straftaten, d.h. die Kriminalität.

Die Kriminologie ist im Vergleich z.B. zur Physik, Medizin oder Mathematik eine relativ junge Wissenschaft. Die systemati­sche, wissenschaftlich orientierte Auseinandersetzung mit den Phänomenen Verbrecher und Verbrechen begann erst vor etwa 200 Jahren.

Exkurs:

Der Beginn der wissenschaftlich-empirisch orientierten Kriminologie wird auf den italienischen Militärarzt und späteren Professor der Rechtsmedizin an der Universität von Turin Cesare Lombroso (1835–1909) zurückgeführt.  Lombroso begann bereits als Militärarzt systematische anthropologische Untersuchungen an Straftätern durch Messun­gen des Schädelumfangs, der Arm- und Beinlänge, des Brustumfangs und anderer anatomischer Merkmale vorzunehmen und zu dokumentierten. Gleiche Messungen nahm er sodann an Soldaten vor und verglich die Ergebnisse miteinander. In der Folge seiner Untersuchungen kam er zu der These, dass der Kriminelle durch bestimmte Stigmata in Form körper­licher Anomalien erkennbar sei. Als Beispiele benannte er u.a. Anomalien des Schädels, asymmetrische Gesichtszüge, flie­hende Stirn, ausgeprägte Augenwülste, herabgesetzte Sinnes- und Schmerzempfindungen, um nur einige zu nennen. Die Ergebnisse seiner Forschung veröffentlichte Lombroso in dem 1876 erschienen Werk „L‘uomo delinquente“ (Der krimi­nelle Mensch).1 Unter Orientierung an der Darwin’schen Evolutionstheorie wurde er in seiner Annahme bestärkt, dass es sich bei dem Verbrecher um einen Rückschlag auf eine niedere Entwicklungsstufe (atavistischer Menschentypus) hande­le, dessen Kriminalität sich vererbt, folglich ein Mensch mit negativem Erbgut. Seine Ergebnisse wurden später widerlegt.

In dem oben genannten Zeitraum entwickelte sich sowohl national als auch international ein unterschiedliches Verständnis von Kriminologie. Entsprechend verschiedenartig sind auch die Definitionen über den Gegenstand und die Forschungs­schwerpunkte der Kriminologie.

Eine in der Literatur und der Wissenschaft allgemein verbindliche Definition gibt es nicht.2 In der einschlägigen Fachliteratur sind ca. 20 Definitionen bekannt, die in ihrer Gesamtheit und Widersprüchlichkeit bei den Studierenden eher zur Verwir­rung als zur Klarheit beitragen. In der laienhaften Vorstellung wird Kriminologie auch häufig mit Kriminalistik gleichgesetzt.3

Der heutige Begriff „Kriminologie“ wird zurückgeführt auf den italienischen Rechtsgelehrten Raffaele Garofalo4 auf Grund der Veröffentlichung seines Werkes „Criminologia“ (1885) sowie auf den französischen Anthropologen Topinard (1879).

Begriff Kriminologie:

Unter dem Gesichtspunkt der Praxisrelevanz wird die von Günter Kaiser formulierte Definition empfohlen.5

Nach Kaiser ist „die Kriminologie die geordnete Gesamtheit des Erfahrungswissens über das Verbrechen, den Rechts­brecher, die negative soziale Auffälligkeit und über die Kontrolle dieses Verhaltens. Ihr Wissenschaftsgebiet lässt sich mit den drei Grundbegriffen Verbrechen, Verbrecher und Verbrechenskontrolle treffend kennzeichnen. Ihnen sind auch Opferbelange und Verbrechensverhütung zugeordnet“5.

 

Horst Clages, Leitender Kriminaldirektor a.D.

41 Jahre Polizeidienst in der kriminalistischen Praxis und in verschiedenen Leitungsfunktionen. Mehrjährige Lehrtätigkeit als Dozent für Kriminalwissenschaften an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW (FHöV NRW), u.a. Fachbereichssprecher des Fachbereichs Polizeivollzugsdienst an der FHöV NRW. Vorsitzender von Prüfungskommissionen für den gehobenen Dienst der Polizei. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik e. V. und deren Gründungsmitglied. Chefredakteur der Fachzeitschrift "Polizei - Studium - Praxis".